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Objekt des Monats

August 2026

Modekatalog Jasmin

Bärenmodel

Unglasiertes Tonmodel mit der Darstellung eines Bären,
Herkunft: Lohn/SH, 8 x 12,5 x 1,5 cm, um 1800

Neben Gebäckmodeln aus Holz gelangten ab Mitte des 17. Jahrhunderts auch zahlreiche Exemplare aus gebranntem Ton in Umlauf. Als bedeutendste Vertreterin dieser Gattung gilt die Hafner- und Bossiererwerstatt Stüdlin in Lohn (SH), die von 1643 bis um 1850 aktiv war. Die Erfolgsgeschichte dieser Werkstatt geht auf Michael Stüdlin zurück, der im rheinland-pfälzischen Edenkoben eine Hafnerei unterhielt und 1607/08 starb. Seine beiden Söhne, Hans Melchior und Hans Caspar Stüdlin, wanderten nach ihrer Ausbildung nach Lohn aus, wo sie - angezogen von den einzigartigen Schaffhauser Tonvorkommen von äusserst feiner, fetter und seifiger Qualität - die nachmals berühmt gewordene Hafner-­ und Bossiererwerkstatt begründeten.
Von der Lohner Tonmodelproduktion sind zahlreiche unglasierte, glasierte sowie glasierte und gelochte Erzeugnisse überliefert. In Klöstern und Privathaushalten haben sich sowohl Holz- als auch Tonmodel nebeneinander erhalten. Für Quittenpasten beispielsweise nutzte man vorzugsweise Tonmodel mit glasierter Bildfläche, da sich Zuckerrückstände leichter von glasierten Oberflächen entfernen lassen, und für den so genannten Eierkäse, eine Speise aus Eiern, Milch und Zucker, kamen Tonmodel mit glasierter und gelochter Bildfläche zum Einsatz.
Die in Lohn verwendete Glasur war bleifrei und für die Herstellung von Lebensmitteln geeignet. lm 1751 in Zurzach verfassten Kochbuch der Dorothea Welti-Trippel (1719-1788), das zahlreiche Mandel-, Marzipan-, Quitten- und Anisrezepte enthält, werden sowohl unglasierte und glasierte als auch glasierte und mit Lochungen versehene Tonmodel erwähnt und teils auch bezüglich ihrer Handhabung näher beschrieben.
Tonmodel aus Lohn waren begehrt und weit verbreitet aufgrund ihrer hervorragenden Bildqualität. Tiermotive waren beliebt, insbesondere das einheimische Wild, aber auch Affen oder Löwen wurden dargestellt.

Literatur: Cornelia Stäheli und Hans-Peter Widmer: Honig den Armen, Marzipan den Reichen. Schweizer Gebäckmodel des 16. Und 17. Jahrhunderts. Zürich 2020
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